Rechtsextremismus in der Feuerwehr: Chats, Hetze, Aussteiger
Source: zeit.de
TL;DR
- Die ZEIT berichtet über zunehmende rechtsextreme und diskriminierende Vorfälle bei deutschen Feuerwehren, illustriert durch persönliche Erlebnisse von Aussteigern.
- Ein Feuerwehrmann in Thüringen teilte 2021 in einer WhatsApp-Gruppe belustigt ein Video von tanzenden Feuerwehrleuten vor brennendem Flüchtlingsheim; in einer süddeutschen Stadt hetzte ein Kollege 2024 gegen CSD und Schwule.
- Alltagsrassismus führt zu Rücktritten engagierter Feuerwehrleute und gefährdet das Ehrenamtsmodell, da 97 Prozent der Feuerwehrkräfte freiwillig arbeiten.
The story at a glance
Bei der Feuerwehr häufen sich Schlagzeilen über rechtsextreme oder diskriminierende Vorfälle wie rassistische Chats, Hitlerwitze und rechte Parolen. Die Autorinnen Anna Lea Jakobs und Henrik Rampe sprechen mit Aussteigern wie Florian Main aus einer süddeutschen Großstadt und Nico Scheid aus Thüringen, die solche Szenen miterlebten. Der Artikel erschien am 2. April 2026 und greift anhaltende Skandale auf, die das Vertrauen in die Helfer untergraben. Historisch gab es ähnliche Fälle schon vor Jahren in Städten wie Bremen oder Düsseldorf.
Key points
- Florian Main erlebte im Sommer 2024 im Pausenraum seiner Wache in einer süddeutschen Großstadt, wie ein Kollege gegen den CSD hetzte, Schwule beschimpfte und die AfD lobte – er schwieg zunächst sprachlos.
- Nico Scheid, ehrenamtlicher Feuerwehrmann in Thüringen, sah 2021 in der WhatsApp-Gruppe seiner Wache ein Video, in dem Feuerwehrleute freudig tanzen, weil ein Flüchtlingsheim brennt; der Teiler lachte darüber, die Gruppe reagierte nicht.
- In einer Stadt sorgten vor fünf Jahren mehrere Skandale für Schlagzeilen, darunter rassistische Nachrichten in einer Chat-Gruppe mit rund 50 Mitgliedern.
- Im ersten Quartal 2026 rotierten 40 von 915 Mitarbeitern in einer Berufsfeuerwehr – "das war die effektivste Maßnahme, um eingefahrene Verhaltensmuster auf den Wachen zu durchbrechen", sagt der zuständige Leiter von der Lieth.[[1]](https://www.zeit.de/arbeit/2026-02/rechtsextremismus-feuerwehr-skandale-aussteiger/seite-2)
- Deutschlandweit sind 97 Prozent der Feuerwehrleute ehrenamtlich tätig, mehr als in keinem anderen Land; Alltagsrassismus bleibt oft unwidersprochen und lässt weltoffene Kräfte aufgeben.
- Kameradschaft und Uniform fördern Gruppendruck, der Extremismus begünstigt, während Maßnahmen wie Personalaustausch helfen sollen.
Details and context
Die Feuerwehr als Abbild der Gesellschaft kämpft mit Rechtsextremismus, der durch Chats, Witze und offene Hetze sichtbar wird – oft ohne Widerspruch der Mehrheit. Aussteiger wie Main und Scheid berichten von Frust über fehlende Reaktionen, was zu Überlegungen führt, den Dienst zu quittieren. In Thüringen mit über 1500 Freiwilligenwehren neben 10 Berufswehren ist das Ehrenamt essenziell.
Eine Feuerwehrleitung setzte auf Rotation, um toxische Muster zu brechen; andere Städte zögern wegen Kosten. Vorfälle erinnern an Skandale wie den Nazi-Chat in Bremen (2020), wo Hitler-Bilder kursierten, oder Sexismus in Düsseldorf – Probleme, die sich fortsetzen.[[2]](https://www.sueddeutsche.de/politik/berufsfeuerwehr-bremen-rechtsextremismus-1.5125956)
Key quotes
"Die Mehrheit ist nicht hetzerisch oder extremistisch unterwegs und trotzdem kam von ihnen keine Reaktion." – Nico Scheid über die WhatsApp-Gruppe.[[3]](https://www.zeit.de/arbeit/2026-02/rechtsextremismus-feuerwehr-skandale-aussteiger)
"Das war die effektivste Maßnahme, um eingefahrene Verhaltensmuster auf den Wachen zu durchbrechen." – Von der Lieth über die Personalrotation.[[1]](https://www.zeit.de/arbeit/2026-02/rechtsextremismus-feuerwehr-skandale-aussteiger/seite-2)
Why it matters
Rechtsextremismus in der Feuerwehr bedroht die Glaubwürdigkeit von Helfern, die in Krisen neutral und inklusiv handeln müssen. Engagierte Aussteiger-Risiken schwächen das Ehrenamtsmodell und lassen Wachen unterbesetzt. Beobachten Sie lokale Maßnahmen wie Rotationen oder Präventionstrainings, deren Erfolg aber vom lokalen Willen abhängt.