Moderne Menschen evolutionsgeprägt durch Selektion
Source: spektrum.de
TL;DR
- Natürliche Selektion wirkt: Eine Studie zeigt, dass natürliche Selektion das Genom des modernen Menschen stärker geprägt hat als gedacht, trotz künstlicher Umwelt.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)[[2]](https://www.nature.com/articles/s41586-026-10358-1)
- 479 Genvarianten identifiziert: Forscher fanden 479 Varianten unter gerichteter Selektion bei 15.836 alten Individuen aus Westeurasien über 18.000 Jahre.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
- Beschleunigung durch Landwirtschaft: Die Selektionsrate stieg nach Übergang zur sesshaften Landwirtschaft durch neue Druckfaktoren wie Milchverdauung.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
The story at a glance
Eine Studie unter Leitung von David Reich von der Harvard University analysiert DNA von 15.836 alten Individuen aus Westeurasien und zeigt anhaltende natürliche Selektion. Trotz moderner künstlicher Umwelten hat Selektion Hunderte Genvarianten geprägt, besonders nach Einführung der Landwirtschaft. Der Artikel berichtet dies jetzt wegen der kürzlichen Veröffentlichung der Studie in Nature am 15. April 2026.[[2]](https://www.nature.com/articles/s41586-026-10358-1)
Key points
- Studie umfasst DNA von 15.836 Individuen aus den letzten 18.000 Jahren in Westeurasien plus 6.438 modernen Menschen.
- Identifiziert 479 Genvarianten unter gerichteter Selektion seit dem letzteiszeitlichen Maximum vor 24.500 bis 18.000 Jahren.
- Viele Varianten betreffen Haut- und Haarfarbe, Haarausfall, Autoimmunerkrankungen sowie Infektionsrisiken.
- Polygenische Merkmale wie körperliche Fitness, Sozialstatus und Intelligenz wurden beeinflusst; Schizophrenie-Neigung sank, kognitive Leistung stieg.
- Selektion beschleunigte sich mit Übergang zur Landwirtschaft, begünstigte z. B. Laktasepersistenz bei Erwachsenen.
- Glutenunverträglichkeitsrisiken verbreiteten sich nach Weizenanbau; Sichelzellanämie-Gen schützt vor Malaria.
Details and context
Die Forscher verglichen DNA-Sequenzen computergestützt und berücksichtigten Migrationen, Populationsvermischungen und genetische Drift, um Selektionsmuster zu erkennen.
Neue Selektionsdrücke entstanden durch sesshafte Kulturen, etwa Anpassung an Milch oder Getreide, was vorteilhafte Varianten begünstigte.
Manche Effekte sind nachvollziehbar, andere nicht: Ein Gen kann heute schädlich wirken, bot aber früher Vorteile, wie beim Sichelzellanämie-Gen gegen Malaria.
Die Studie betont, dass aktuelle Merkmale nicht immer die ursprünglichen Selektionsgründe erklären.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
Key quotes
„Die natürliche Selektion hat das Genom des modernen Menschen weitaus stärker geprägt als bisher angenommen.“ – Artikelzusammenfassung der Studie.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
„Zusammenhänge zwischen Erbanlagen und phänotypischen Merkmalen, die in der jetzigen Welt wichtig sind, waren nicht unbedingt ausschlaggebend dafür, warum sich eine Genvariante ursprünglich verbreitet hat.“ – Forschungsgruppe, zitiert im Artikel.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
Why it matters
Natürliche Selektion formt menschliche Genome weiterhin stark, auch in jüngster Zeit, und widerlegt die Annahme eines Evolutionsstillstands. Das bedeutet für heutige Populationen veränderte Risiken für Krankheiten und Anpassungen an vergangene Lebensweisen, die heute Trade-offs zeigen. Zu beobachten sind Folgestudien zu Selektion in anderen Regionen oder mit noch mehr Daten.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)[[2]](https://www.nature.com/articles/s41586-026-10358-1)
What changed
Vor der Landwirtschaft dominierten Jäger-und-Sammler-Lebensweisen mit langsameren Selektionsraten. Nach Übergang zu sesshaften Kulturen beschleunigte sich die Selektion durch neue Drücke wie Ernährungsumstellungen. Dies geschah vor etwa 10.000 Jahren.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
FAQ
Q: Welche Studie wird im Artikel beschrieben?
A: Die Studie von David Reich et al. in Nature analysiert DNA von 15.836 alten Westeurasiern über 18.000 Jahre und identifiziert 479 selektierte Genvarianten. Sie verwendet computergestützte Methoden unter Berücksichtigung von Migration und Drift. Die Ergebnisse zeigen stärkere Selektion als zuvor gedacht.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
Q: Warum beschleunigte sich die natürliche Selektion?
A: Der Übergang zur sesshaften Landwirtschaft brachte neue Selektionsdrücke, etwa Fähigkeit Milch zu verdauen oder Anpassung an Getreide. Das begünstigte Varianten für Fitness und Kognition. Die Rate stieg seit dem letzteiszeitlichen Maximum.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
Q: Welche Merkmale wurden durch Selektion beeinflusst?
A: Varianten für Haut- und Haarfarbe, Infektionsrisiken, Autoimmunerkrankungen sowie polygenische Züge wie Intelligenz und Fitness. Schizophrenie-Risiko sank, kognitive Leistung stieg. Beispiele sind Laktasepersistenz und Glutenrisiken.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)
Q: Können moderne Merkmale die Selektionsgründe erklären?
A: Nicht immer, da Gene wie Sichelzellanämie heute schädlich, früher nützlich waren (Malariaschutz). Die Studie warnt, aktuelle Effekte nicht rückwirkend anzunehmen. Historische Kontexte bestimmen die Verbreitung.[[1]](https://www.spektrum.de/news/auch-der-moderne-mensch-unterliegt-natuerlicher-selektion/2319755)