Gesundheitsreform: Höhere Zuzahlungen, weniger Krankengeld
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TL;DR
- Gesundheitsministerin Nina Warken hat einen Gesetzentwurf für 19,6 Milliarden Euro Einsparungen 2025 vorgelegt.
- Zuzahlungen für Medikamente steigen auf 7,50-15 Euro pro Packung, Krankengeld sinkt auf 65 Prozent des Bruttolohns.
- Reform verhindert Beitragserhöhungen, belastet aber Patienten, Kliniken und Pharma stärker als Kassen.
The story at a glance
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat den Entwurf für eine große Gesundheitsreform fertiggestellt, die Kosten senken soll. Betroffen sind Versicherte, Kliniken, Ärzte und die Pharmaindustrie, während Krankenkassen glimpflich davonkommen. Der Entwurf wird jetzt berichtet, weil er Koalitionsstreitigkeiten klärt und 42,8 Milliarden Euro bis 2030 einspart. Ziel ist, Beitragserhöhungen für Versicherte zu vermeiden.
Key points
- Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente: mindestens 7,50 Euro, maximal 15 Euro pro Packung (bisher 5-10 Euro); im Krankenhaus 15 Euro/Tag statt 10 Euro.
- Belastungsgrenze bleibt bei 2 Prozent des Bruttoeinkommens (1 Prozent für Chronisch Kranke), z. B. 800 Euro/Jahr bei 40.000 Euro Einkommen.
- Beitragsbemessungsgrenze steigt 2027 auf ca. 6.112,50 Euro/Monat (bisher 5.812,50 Euro), Höherverdiener zahlen mehr Beiträge.
- Krankengeld nach 6 Wochen: 65 Prozent des Bruttolohns statt 70 Prozent, maximal 78 Wochen.
- Zuschüsse für Zahnersatz um 10 Prozent gekürzt; ab 2028 Zuzahlung für mitversicherte Ehepartner (3,5 Prozent der Beiträge), Ausnahmen für Familien mit Kindern etc.
- Globuli und ähnliche Mittel keine Kassenleistung mehr; Pharma muss höhere Rabatte geben (1,9 Mrd. Euro Ersparnis).
Details and context
Der Entwurf spart 5 Mrd. Euro bei Kassen durch Zuzahlungen, 5,1 Mrd. Euro bei Ärzten (z. B. begrenzte Vergütungssteigerungen), 2,7 Mrd. Euro bei Kliniken und 1,9 Mrd. Euro bei Pharma. Kassen sparen nur 100 Mio. Euro bei Verwaltungskosten (aktuell 13 Mrd./Jahr).
Streit in der Koalition: CDU/CSU wollte, dass der Staat Kosten für Bürgergeld-Empfänger übernimmt (12 Mrd. Euro Ersparnis), SPD-Finanzminister Lars Klingbeil blockte das.
Bis 2030 sollen insgesamt 42,8 Mrd. Euro eingespart werden, um Beitragserhöhungen zu stoppen – Versicherte zahlen mehr selbst, Systemkosten sinken.
Why it matters
Die Reform stabilisiert das Gesundheitssystem langfristig, verteilt Lasten aber ungleich auf Patienten und Anbieter. Betroffene zahlen mehr aus eigener Tasche, z. B. 67 Euro/Monat bei 40.000 Euro Einkommen, sparen aber steigende Beiträge. Nächste Schritte hängen von Koalitionsabstimmung ab, finale Umsetzung ist noch unsicher.