Auto als Ritterrüstung blockiert Verkehrswende
Source: utopia.de
TL;DR
- Männerberater Boris von Heesen erklärt im Interview, warum patriarchale Männlichkeitsbilder die Verkehrswende bremsen.
- Autofahrende Männer verursachen jährlich 14 Milliarden Euro Mehrkosten gegenüber Frauen, genug für 10.000 km Radwege.
- Patriarchatsdekonstruktion und Ausbau von ÖPNV sowie Radverkehr sind essenziell für nachhaltige Mobilität.
The story at a glance
Männerberater und Wirtschaftswissenschaftler Boris von Heesen argumentiert in einem Interview mit Utopia.de, dass traditionelle Männlichkeitsideale – verkörpert durch das Auto als "lackierte Ritterrüstung" – die Verkehrswende in Deutschland blockieren. Autos machen rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen aus, doch der Sektor sinkt nur langsam. Der Artikel vom 4. April 2026 greift das auf, da der Klimawandel und Mobilitätsdebatten drängen.
Key points
- Von Heesen lebt autofrei in Darmstadt: Er geht zu Fuß, fährt Rad oder nutzt ÖPNV und Carsharing – aus Überzeugung und weil das Auto oft ungenutzt stand.
- Das Auto symbolisiert für viele Männer einen "letzten Schutzraum": laut, durchsetzungsfähig, raumgreifend und abgeschottet, anders als bei Frauen, die es praktisch von A nach B nutzen.
- Patriarchale Strukturen verstärken sich: In Autokonzernen nur 6,5 Prozent Frauen in Top-Gremien, beim ADAC keine Frau in Führung – führt zu Verbrenner-Fokus und mangelndem ÖPNV-Ausbau.
- E-Autos lösen das Problem nicht allein: Sie nehmen weiter Raum ein und passen zum Männlichkeitsbild, tragen aber zu CO2-Reduktion bei.
- Lösungsvorschläge: Diversere Teams in der Industrie, starker Ausbau von Rad- und ÖPNV-Infrastruktur, "Mobilitätsschein" statt Führerschein und Kampagnen zur "mobilen Befreiung".
Details and context
Von Heesen sieht die deutsche Autokultur seit der Nachkriegszeit als patriarchalen Erbe: Hohe Budgets für Straßen, wenig für Radwege oder Busse. Männer pendeln öfter lang (Vollzeitjobs), fahren risikoreicher und verursachen höhere Kosten – ein Teufelskreis aus Prägung, Politik und Industrie.
Beispiele wie Münster, Tübingen oder München zeigen: Lokale Investitionen in Radinfrastruktur zahlen sich aus. Kommunen können per Straßenverkehrsordnung vorangehen, unabhängig von Bundesebene. Von Heesen plädiert für bundesweite Aufklärung wie bei Gesundheitsthemen, von Kindergarten bis Alter.
Key quotes
„Das Auto ist eine lackierte Ritterrüstung und letzter Schutzraum für Männer.“
(Boris von Heesen im Interview mit Utopia.de)
„Mobile Befreiung: Fahrrad und Zufußgehen stärken.“
(Boris von Heesen zu Sofortmaßnahmen)
Why it matters
Die Verkehrswende scheitert ohne Angriff auf gesellschaftliche Rollenbilder, da Autos 20 Prozent der Emissionen ausmachen und Strukturen sich selbst erhalten. Für Alltag bedeutet das: Weniger Autoverkehr könnte 14 Milliarden Euro einsparen und Städte lebenswerter machen, besonders für Pendler und Familien. Beobachten Sie lokale Initiativen in Kommunen und ob Parteien wie die Grünen Diversität in Verkehrsplanung forcieren – in 5 Jahren könnte sich viel ändern, wenn Druck steigt.