GAP neu denken: Umweltkosten einpreisen, Landwirte entlasten
Source: topagrar.com
TL;DR
- WIFO-Studie schlägt GAP-Reform vor: Umweltkosten über Cap-and-Trade einpreisen statt Direktzahlungen.
- Seit Jahrtausendwende flossen 1.400 Mrd. € GAP-Mittel, doch Umwelt ist stark geschädigt.
- Landwirte sollen faire Preise für umweltgerechte Produkte erhalten und zu Unternehmern werden.
The story at a glance
Eine neue WIFO-Studie von Gabriel Felbermayr und Team fordert eine radikale Reform der EU-Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), weg von Subventionen hin zu marktbasierten Instrumenten, die Umweltkosten internalisieren. Beteiligt sind das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und nature solidarity e.V. als Auftraggeber. Die Studie wurde kürzlich in einer Pressekonferenz präsentiert, vor dem Hintergrund anhaltender Debatten um GAP-Nachfolge und Umweltkrise in der Landwirtschaft.
Key points
- Kritik an aktueller GAP: Hohe Bürokratie durch Konditionalität und GLÖZ, ineffiziente Direktzahlungen mit Mitnahmeeffekten, unzureichende Erreichung von Klimazielen trotz 1.400 Mrd. € seit 2000.
- Vorschlag eines EU-weiten Cap-and-Trade-Systems für Treibhausgase, Stickstoff und Biodiversitätsschäden, mit sinkenden Emissionslimits und handelbaren Zertifikaten.
- Internalisierung von Umweltkosten in Produktions- und Lebensmittelpreise, um Preise als Lenkungsinstrument zu nutzen und Landwirte unabhängig von Subventionen zu machen.
- Grenzausgleichssystem (verbrauchsbezogene Abgaben auf Importe, Rückerstattung bei Exporten), WTO-kompatibel, um Wettbewerbsnachteile und Carbon Leakage zu vermeiden.
- Soziale Flankierung: Höhere Verbraucherpreise durch Sozialpolitik abfedern; Einnahmen aus Zertifikaten könnten Steuern senken ("doppelte Dividende").
- Vergleich zum Blandford Report (2002): Ähnlicher Ansatz führte zu heutiger Politik mit Weltmarktpreisen und Ausgleichszahlungen.
Details and context
Die Studie adressiert ökologische Schäden wie Boden-, Gewässer- und Biodiversitätsverlust sowie soziale Probleme in der Landwirtschaft: überalterte Betriebsinhaber, psychische Belastungen und Nachwuchsmangel. Aktuelle GAP misst sich an Umweltzielen wie dem Pariser Abkommen, scheitert aber durch mangelnde Abstimmung von Agrar-, Umwelt- und Handelspolitik.
Marktorientierte Instrumente wie Cap-and-Trade ersetzen Ordnungsrecht und Subventionen, belohnen effiziente Produzenten mit Zertifikatgewinnen. Umweltleistungen wie Kohlenstoffbindung sollen einbezogen werden, Marktmacht im Einzelhandel durch Wettbewerbsrecht eindämmen.
Der Vorschlag zielt auf eine ökosoziale Marktwirtschaft ab, die Landwirte von Subventionsabhängigkeit befreit und faire Erzeugerpreise sichert.
Key quotes
- Gabriel Felbermayr (WIFO-Direktor): "Die Botschaft lautet: Bauern müssen am Ende die Preise für umweltgerecht hergestellte Produkte erhalten, die das kostet."
- Gabriel Felbermayr: "Faire, auskömmliche Preise für Bauern statt am Subventionstropf zu hängen."
Why it matters
Die Reform könnte EU-Agrarpolitik grundlegend umkrempeln, Umweltschäden bremsen und Landwirte wirtschaftlich stärken, birgt aber Risiken für Preise und Wettbewerb. Für Landwirte bedeutet das potenziell höhere, marktgesteuerte Einnahmen bei effizienter, umweltschonender Produktion; Verbraucher sehen teurere Lebensmittel, die sozial abgefedert werden müssten. Zu beobachten sind Reaktionen der EU-Kommission, WTO-Verhandlungen und Pilotprojekte, da Umsetzung Jahre dauern könnte.