Mogelpackung? Kritik am neuen Polizeidienstzeitmodell
Source: krone.at
TL;DR
- Kritik am geplanten neuen Dienstzeitmodell für rund 33.000 Polizisten, das kürzere Schichten und mehr Flexibilität bringen soll.
- 24-Stunden-Dienste weg, maximal 13-Stunden-Schichten, bis 48 Wochenendstunden monatlich, Test in fünf Regionen.
- Gewerkschaften warnen vor Einkommensverlusten bis 500 Euro netto/Monat durch weniger Überstunden.
The story at a glance
Das Innenministerium plant eine Reform des über 50 Jahre alten Dienstzeitmodells für die österreichische Polizei, um es flexibler, planbarer und familienfreundlicher zu machen. Beteiligt sind Innenminister Gerhard Karner, eine Projektgruppe unter Generalmajor Joachim Huber und Gewerkschaften wie FSG, FCG und AUF, die den Entwurf ablehnen. Die Berichterstattung läuft seit der Ankündigung im Dezember 2025, mit Teststart im Frühjahr 2026, weil eine Mitarbeiterumfrage Unzufriedenheit mit dem alten System zeigte.[[1]](https://www.bmi.gv.at/news.aspx?id=663064595746313746486F3D)[[2]](https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/weniger-geld-die-krux-mit-der-dienstzeit-reform-der-polizei/403139459)
Key points
- Neues Modell ersetzt ungleiche Regelungen durch einheitliches System für alle Inspektionen, mit regionalen Anpassungen möglich.
- Schichten von 8 bis 13 Stunden, keine 24-Stunden-Dienste mehr, um EU-Arbeitszeitrichtlinie und Gesundheitsschutz einzuhalten.
- Mehr Mitsprache bei Dienstplänen, Wahl zwischen Freizeit- oder Überstundenmodell alle drei Monate.
- Bis 48 Plandienststunden an Wochenenden monatlich, ein Wochenende frei; Überstunden-Pool für Einsätze.
- Test in fünf Bezirken: Gänserndorf (NÖ), Wien-Brigittenau, Linz, Bregenz (Vorarlberg), Leibnitz (Steiermark); Simulation ab Juni 2026, Echtbetrieb danach, bundesweit ab 2027.[[3]](https://noe.orf.at/stories/3347581)
- Gewerkschaften kritisieren: Mehr Wochenenddienste mindern Familienzeit, weniger Journaldienste/Überstunden führen zu Einbußen bis 500 Euro netto monatlich.
- In NÖ 2.500 Polizisten (Hälfte des Personals) unterschrieben gegen die Pläne; rote, schwarze und blaue Gewerkschaft lehnen Erlass ab.[[2]](https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/weniger-geld-die-krux-mit-der-dienstzeit-reform-der-polizei/403139459)
Details and context
Das alte Modell aus den 1970er-Jahren gilt als starr und überlastet durch zwei Millionen Überstunden jährlich allein in Wien. Eine Umfrage 2023 mit Beteiligung der Hälfte der Bediensteten zeigte Unzufriedenheit, worauf Generalsekretär Andreas Achatz eine 65-köpfige Gruppe beauftragte. Sie berücksichtigte EU-Recht, Gesundheitsforschung und Modelle aus elf Ländern.[[1]](https://www.bmi.gv.at/news.aspx?id=663064595746313746486F3D)
Gewerkschaften wie FSG-Vorsitzender Martin Noschiel sehen keine Verbesserung der Vereinbarkeit, sondern Verschlechterung durch feste Wochenenddienste und fehlende Freiwilligkeit bei 24-Stunden-Diensten. Besonders in personalarmen Regionen wie Wien fehle Personal für kürzere Schichten.
Testphase umfasst 1.500 Polizisten in 63 Dienststellen, mit wissenschaftlicher Evaluation; Änderungen möglich, Personalvertretung wird einbezogen.
Key quotes
„Mit dieser Reform setzen wir ein starkes Zeichen für eine zukunftsorientierte Polizei mit modernen Arbeitsbedingungen.“ – Innenminister Gerhard Karner[[1]](https://www.bmi.gv.at/news.aspx?id=663064595746313746486F3D)
„Eine Ausweitung der Wochenendbelastung bedeutet eine erhebliche Einschränkung sozialer Anbindung sowie familiärer Planbarkeit.“ – Martin Noschiel, FSG-Fraktionsvorsitzender[[2]](https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/weniger-geld-die-krux-mit-der-dienstzeit-reform-der-polizei/403139459)
Why it matters
Die Reform betrifft 33.000 Polizisten und könnte die Sicherheitsversorgung beeinflussen, wenn Personalmangel zu Schließtagen führt. Für Beamte heißt es potenziell weniger Einkommen durch Überstunden, die oft 500 Euro netto ausmachen, und mehr Wochenendarbeit trotz Versprechen besserer Planbarkeit. Zu beobachten sind Testergebnisse ab Juni 2026, Gewerkschaftsverhandlungen und Personalreaktionen vor dem Rollout 2027.