Torgau: Homosexualität führte Apotheker in Haft und Kriegstod
Source: torgauerzeitung.de
TL;DR
- Ein neuer Gedenkort am ehemaligen Wehrmachtsgefängnis Brückenkopf in Torgau erinnert an NS-Opfer wie Fritz Spangenberg.
- Spangenberg, studierte Apotheker und Sanitätsfeldwebel, wurde 1943 wegen Homosexualität nach § 175a zu neun Monaten Haft verurteilt.
- Nach Haft in Torgau kam er in eine Strafkompanie an die Ostfront und gilt seit Frühjahr 1944 als vermisst.
The story at a glance
Die Torgauer Zeitung berichtet über das Schicksal des homosexuellen Wehrmachtsoldaten Fritz Spangenberg (1914–1944?), der wegen § 175a ins Gefängnis Brückenkopf kam. Dort saß er neun Monate ab, bevor er an die Ostfront geschickt wurde, wo er verschwand. Der Artikel knüpft an die Eröffnung eines neuen Gedenkorts der Stiftung Sächsische Gedenkstätten an, der Opfer der NS-Militärjustiz ehrt.[[1]](https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198968.gedenkpolitik-neuer-gedenkort-fuer-ns-opfer-in-torgau.html)[[2]](https://www.stsg.de/cms/stsg/presseschau)
Key points
- Fritz Spangenberg aus Marburg studierte Pharmazie, diente als Sanitätsfeldwebel und galt bei Vorgesetzten als „stramm“ und „zuverlässig“.[[1]](https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198968.gedenkpolitik-neuer-gedenkort-fuer-ns-opfer-in-torgau.html)
- 1943 denunziert und vom Feldgericht wegen Homosexualität (§ 175a RStGB) zu neun Monaten Haft im Wehrmachtsgefängnis Brückenkopf verurteilt.
- Brückenkopf, ab 1939 Militärgefängnis, sah mit Fort Zinna rund 60.000 Häftlinge; Haft mit Drill, Demütigungen und Gewalt.
- Nach Haftentlassung Zwang zur „Bewährung“ in einer Strafkompanie („Himmelfahrtskommando“) an der Ostfront; Spurlos verschwunden im Frühjahr 1944 in Belarus.
- Neuer Gedenkort (Architekt: Tobias Katz) mit Biografien, Namen von 450 Hingerichteten in Torgau (davon 7 Erschießungen in Brückenkopf).
- Eröffnung am 14. April 2026, Jahrestag der Befreiung; sein Großneffe Klaus-Dieter Spangenberg nimmt teil.
Details and context
Das Gefängnis Brückenkopf in Torgau war Teil des NS-Militärjustizsystems, das Soldaten für „unnatürliche“ Handlungen wie Homosexualität bestrafte – oft mit Haft und dann riskanten Einsätzen. § 175a verschärfte Strafen für Militärs; Tausende wie Spangenberg verloren Zulassungen, Rang und Leben.[[1]](https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198968.gedenkpolitik-neuer-gedenkort-fuer-ns-opfer-in-torgau.html)
Spangenbergs Fall steht für über 50.000 Verurteilte nach § 175; viele endeten in „Bewährungseinheiten“, die hohe Verluste hatten. Der Gedenkort macht solche individuellen Schicksale greifbar, ergänzt Mahnmale wie in Fort Zinna.
Berichte zu seinem Leben stammen aus Wehrmachtakten und Forschung, z. B. Buch „Wo ist Fritz?“; der Artikel der Torgauer Zeitung greift diese auf.[[2]](https://www.stsg.de/cms/stsg/presseschau)
Key quotes
„Das waren Himmelfahrtskommandos.“
Elisabeth Kohlhaas, Direktorin Erinnerungsort Torgau[[1]](https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198968.gedenkpolitik-neuer-gedenkort-fuer-ns-opfer-in-torgau.html)
„Die Militärjustiz war keine neutrale Instanz, sondern ein von NS-Ideologie getränktes Repressionsinstrument.“
Elisabeth Kohlhaas[[1]](https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198968.gedenkpolitik-neuer-gedenkort-fuer-ns-opfer-in-torgau.html)
Why it matters
Die NS-Verfolgung Homosexueller durch Militärgerichte zerstörte Tausende Leben und zeigt, wie Ideologie Justiz missbrauchte.
Für Besucher in Torgau und Forscher bedeutet der Gedenkort konkrete Erinnerung an Orten des Unrechts, mit Biografien statt abstrakter Zahlen.
Weitere Enthüllungen aus Archiven oder Familien könnten Spangenbergs genauen Tod klären.